| WICKIHALDER,
JÜRG & INTERPLAY COLLECTIVE > Feat. Sophie Dunér (2000) |
| |
Kurzweilige Bläser-Fanfaren, schwebende Soundtrack- und zupackende
Crime Jazz-Elemente, Suitenförmige Bigband-Arrangements, zappaeske
Slapstick-Einlagen und eine auch in den lyrischen Passagen kraftvolle Frauenstimme
(SOPHIE DUNER) entführen uns in ein eigenes Universum, das klingt,
als hätte HAL WILLNER mitproduziert... Weitere mögliche Einflüsse:
ART ENSEMBLE OF CHICAGO, WILLEM BREUKER, LOUNGE LIZARDS, CHARLES MINGUS,
ANNETTE PEACOCK, CARLA BLEY, TOM WAITS etc. Veit
|
| WILLIAMS,
SAUL > Amethyst Rock Star (01) |
| |
Welch
starkes Debut des schwarzen Sängers SAUL WILLIAMS (*1972), er mischt
die Kraft des Hip Hop mit der radikalen Black Poetry-Tradition, sowie dem
Hardcore und dem Fusion-Rock. Das Konzert in der Roten Fabrik war ein grosses
Ereignis (schlechtes Zeugnis für Zürich: Halle nur halbvoll!),
nebst dem Gesangsvortrags auch die Bratschistin MARYAM BLACKSHER. Beste
Erinnerungen an die Zeit von RIP, RIG & PANIC! Veit
|
| WINTSCH
/ FRITH / BAUMAN / TRONTIN > Whisperings (02) |
 |
Auf
dem wieder ins Leben gerufenen Zürcher Label REC REC (RECDEC 75). Eine
spannende Begegnung des Genfer Keyboarders MICHAEL WINTSCH mit der Berner
Sängerin FRANZISKA BAUMANN mit dem englischen Gitarristen FRED FRITH
und dem YOUNG GODS-Drummer BERNARD TRONTIN.
|
| WIRE
> Send (03) |
 |
Die
britischen WIRE waren ja bereits 1977 zehn Jahre älter als die meisten
Punks, wir müssen also davon ausgehen, dass die vier Herren bald mal
so gegen die 55 zugehen. Umso erstaunlicher, quatsch: umso verständlicher
(da die Altersradikalität von allen Zwängen befreit), dass hier
wieder munter darauflos getrasht wird. Völlig tadelloses, einwandfreies
Comeback-Album der WIRE, bestehend aus drei 2002 veröffentlichten EPs.
Kraftvoll, intelligent & präzise wie am Start 1977. WIRE gehörten
in den 80er Jahren übrigens auch zu den ersten, die in unzähligen
Splitprojekten viel instrumentalen Electronica-Ambient der Neuzeit vorweggenommen
haben. Veit
|
| WONDERTOYS,
The > Diary
Of A Snake Charmer
(96-98/02) |
 |
"Diary
Of A Snake Charmer" (Helium/Rec Rec) ist das leider letzte Album des
begnadeten, am 8. Juni 99 an Krebs verstorbenen Basler Popmusikers DOMINIQUE
ALIOTH mit den WONDERTOYS. Zwischen 1995-98 während der Krankheit eingespielt,
überzeugt es nicht zuletzt wegen seiner gesunden Prise schwarzem Humor.
Die bittere Ironie der Geschichte: mit britischem Pass wäre ALIOTH
ab 1978 wohl möglich ein Weltstar geworden. Bei praktisch jeder Schweizer
Plattenfirma hat er in 20 Jahren ein Album veröffentlicht, zum Teil
mit sechstelligen Budgets, inkl. luxuriösen Studios in England. Jedes
Label glaubte, die Vorgänger hätten ihn bloss falsch vermarktet....
DOMINIQUE ALIOTH war das schweizerische Pendant zu Grössen wie Steve
Harley, David Bowie, Brian Ferry, Marc Almond & Elvis Costello...Höhepunkte:
der treibende Keyboard-Pop von "What Turns You On", die magischen
Flüster-Balladen "A Million Miles Apart" und "Chelsea",
sowie der züngelnde, 7-minütige Instrumentalwahnsinn "Zartbesaitet".
Das Meisterwerk des geistigen Vaters der Basler Popwunder wie Lovebugs.Veit |
| WORKMAN,
HAWKSLEY > (Last
Night We Were) Delicious Wolfes
(02) |
 |
Ein
kleines gesangliches Weltwunder ist der 25-jährige Sänger Hawksley
Workman aus Kanada. Er besitzt den ergreifenden Falsett des 1997 verstorbenen
Jeff Buckley („You Me And The Weather“, „What A Woman“),
aber auch die umwerfende Ironie eines Jay Jay Johanson („I’m
Jealous Of Your Cigarette And All The Things You Do With It“) im perfekten
Stile eines Dandys alter Schule. Dazu eine grosse Portion Glamrock der 70er
Jahre wie Sparks oder T.Rex. Verblüfft nehmen wir zur Kenntniss, dass
Workman auf dem Album alle Instrumente selber einspielt, inkl. Bass, Drums
& Piano. Es klingt, als hätte er während den Aufnahmen zu
„Exile On Main Street“ der Rolling Stones die Flasche bekommen.
Zum richtigen Zeitpunkt gibt es weibliche Background-Vocals oder erklingt
eine Trompete. Ein grosses theatralisches Talent, soll Workman auch ein
umwerfender Performer sein. Veit |
| WRIGHT,
SHANNON > Dyed In The Wool (01) |
| |
Intensives
3. Album der Sängerin SHANNON WRIGHT (aus dem Umfeld von CALEXICO und
DIRTY THREE). Atemberaubend schön, zärtlich und leidenschaftlich
wie PJ HARVEY oder SANDY DILLON.
|
| WYATT,
ROBERT > Cuckooland (03) |
 |
Der
CHET BAKER des Pop, der MARVIN GAYE der Avantgarde, der NICK DRAKE des Jazz,
das britische Pendant zu TIM BUCKLEY!Höchst eigenständig bleibt
ROBERT WYATT (*1945), von 1966-73 Drummer, Keyboarder & Vokalist bei
SOFT MACHINE und MATCHING MOLE, nach einem betrunkenen Fenstersturz gelähmt
im Rollstuhl, seit «Rock Bottom» besser denn je, der eindrücklichste
überlebende Mythos der Rockmusik, mitgetragen von seiner Lebensgefährtin,
Covergestalterin & Backgroundsängerin ALFREDA BENGE. Weit ausladende,
sphärische Jazz-Ambient-Gebilde prägen das einmal mehr schönste
und bisher längste Album von WYATT. Eine unglaublich traurige, aber
euphorisierend hohe Männerstimme, mit atemberaubenden mehrstimmigen
Ueberlagerungen auf «Cuckooland» sich selber übertreffend!
Die unglaublich swingende, beckenbetonte Perkussionsarbeit von WYATT beindruckt
erneut. Fast schon brasilianische Bossa Nova-Qualitäten à la
CAETANO VELOSO erreicht Track 10 «Insensatez» mit der charmant-neckischen
Mundharmonika von KAREN MANTLER. Unzählige weitere musikalische Leckerbissen
erwarten uns in diesem Cuckoo-Land. Feat. ANNIE WHITEHEAD (tp), GILAD ATZMON
(as,ss,cl,fl), YARON STAVI (doublebass), KAREN MANTLER (harp,keyb,p), DAVID
GILMOUR (g), PAUL WELLER (g), JENNIFER MAIDMAN (accordion), BRIAN ENO (voice,last
note), ALFREDA BENGE (voc) u.a. Aufgenommen im Studio von PHIL MANZANERA.
Veit |
| WYATT,
ROBERT > Nothing
Can Stop Us (80-82/98) |
| |
Endlich
wieder lieferbar: die wunderschöne Single-Compilation "Nothing
Can Stop Us" mit politischem Hintergrund, mit sicherer Hand ausgewählte
Coverversionen: die spanischen "Caimanera" (= "Guantanamera"
von JOSEITO FERNANDEZ) und "Arauco" (VIOLETTA PARRA), das umwerfende
Acapella-Stück "Stalin Wasn’t Stallin‘" (BILL
JOHNSON), die verblüffende Umwandlung des Disco-Stücks "At
Last I Am Free" (CHIC) in eine waschechte WYATT-Ballade, das tief traurige
"Strange Fruit" (LEWIS ALLEN), bekannt von BILLIE HOLIDAY, "Grass",
die witzige Umsetzung eines Stücks von IVOR CUTLER. Der berührende
Gastauftritt der bengalischen Gruppe DISHARI mit "Trade Union"
(ursprünglich Rückseite von "Grass") u.s.w. Abgerundet
durch den kämpfenden Arbeiter als Rolls Royce-Kühlerfigur. Veit |
| WYATT
/ MANTLER
> Hapless
Child (76) |
| |
Das
Album "The Hapless Child & Other Inscrutable Stories" von
MICHAEL MANTLER gehört in jede ROBERT WYATT-Sammlung, denn sein Gesang
ist durchgehend präsent! Obwohl WYATT sehr traurige Geschichten von
EDWARD GOREY besingt, gibt es kein anderes Album, auf dem seine unnachahmliche
Stimme so euphorisch und überschäumend klingt, dies nicht zuletzt
auch wegen der kongenialen Gitarrenarbeit von TERJE RYPDAL. Aufgenommen
nach "Rock Bottom" und "Ruth Is Stranger Than Richard",
war dies sein letztes Lebenszeichen vor seinem Schweigen bis 1980. Ein zeitloser
Klassiker, aufgenommen in einer Traumbesetzung ohne (!) MICHAEL MANTLER,
dafür mit CARLA BLEY (keyb), STEVE SWALLOW (b), TERJE RYPDAL (g) und
JACK DeJONETTE (dr,perc). Veit
|